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Manchmal ist ein Anime wie ein Überraschungsei: Man erwartet die eine Geschichte und bekommt gleich zwei geschenkt. Genau so ging es mir mit Alma-chan Wants to Be a Family! – niedlich bis zum Anschlag, und trotzdem mit mehr Tiefgang, als der süße Look zunächst vermuten lässt.
Alma-chan Wants to Be a Family!
Japan / 2025
11 Episoden
Genre: Comedy / Sci-Fi / Slice of Life
Streaming: Crunchyroll
Enji Kamisato und Suzume Yobane sind zwei geniale, aber ziemlich chaotische Wissenschaftler, die gemeinsam die hochentwickelte Androidin Alma erschaffen. Für Alma ist die Sache klar: Ihre beiden Erschafferinnen sind ihre Eltern – und weil das offiziell auch so sein soll, trägt sie die beiden kurzerhand ins Familienregister ein. Von da an müssen Enji und Suzume notgedrungen als Familie zusammenleben, während Alma lernt, was es heißt, ein echtes Kind zu sein.
Der eigentliche Clou ist die Doppelstruktur: Auf der einen Seite Alma, die mit großer Ernsthaftigkeit versucht, ein "echtes" Mädchen zu sein – Freundschaften schließen, zur Schule gehen, Gefühle verstehen. Auf der anderen Seite die verkappte RomCom zwischen ihren beiden "Eltern", die eigentlich nur widerwillig zusammenleben, aber Schritt für Schritt echte Gefühle füreinander entwickeln – tatkräftig unterstützt (und befeuert) von Alma selbst, die ihre Eltern ziemlich unverblümt verkuppeln will. Dazu kommen sympathische Nebenfiguren wie die zweite Roboter-"Schwester" Makina, die selbstbewusste Neon oder Almas Schulfreundin Hana, die dem Ganzen zusätzlich Wärme geben.
Studio Flad inszeniert das als leichte, warmherzige Comedy mit waschechtem Zuckerguss-Charme, ohne dabei die Sci-Fi-Prämisse zu vernachlässigen. Die Balance zwischen albernen Alltagsepisoden und den leiseren, anrührenden Momenten – etwa wenn es um Almas Sehnsucht nach echter Familie geht – ist bemerkenswert gut getroffen.
Für mich war das reinstes Überraschungsei-Feeling: einerseits Alma, die kleine Roboter-Tochter, die lernt ein echtes Kind zu sein, andererseits ihre beiden "Eltern", die sie unbeirrt zusammenzubringen versucht – einfach nur Zucker pur. Wie so oft bei mir gibts dafür eine 9,5 von 10, mit dem einzigen Haken: Eine offizielle Staffel 2 ist bisher nicht angekündigt. Immerhin läuft die Fortsetzungs-Manga "Alma-chan wa Kazoku ni Naritai Z" bereits weiter – Stoff für mehr wäre also da. Jetzt heißt es warten und hoffen.
Silvio 30.08.2026, 10.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Manchmal ist es nicht die große Dramatik, die einen Donghua zum Favoriten macht, sondern die leisen Zwischentöne – ein Blick zu viel, ein Satz zu wenig. Genau das macht Lighter & Princess Dress aus, und wer College-Slice-of-Life mit einer ordentlichen Portion Slow Burn mag, ist hier goldrichtig.
Lighter & Princess Dress
China / 2021
13 Episoden
Genre: Slice of Life / Romance / Animation
Streaming: Viki
Zhu Yun, Erstsemester in Informatik, versucht sich möglichst unauffällig durchs Studentenleben zu schlagen – höflich, angepasst, bloß nicht auffallen. Doch Li Xun, ein ebenso begabter wie eigenwilliger Kommilitone, drängt sich immer wieder in ihr Leben. Aus anfänglicher Reibung wird langsam, ganz langsam, etwas anderes.
Die Chemie zwischen Zhu Yun und Li Xun trägt genau diesen typischen Slow-Burn-Charme: kein Insta-Love, sondern ein Näherkommen in kleinen Schritten, das sich über die Episoden hinweg glaubhaft aufbaut. Gerade weil beide erst mal aneinander anecken, fühlt sich die Entwicklung später verdient an.
Optisch bewegt sich der Donghua auf dem gewohnt guten Niveau des Genres – sauber gezeichnet, mit einem Gespür für ruhige Alltagsmomente statt großer Effekthascherei. Die Geschichte basiert auf der gleichnamigen Roman-Vorlage der Autorin Twentine, die auch als Realserie (2022, Youku) mit satten 36 Episoden verfilmt wurde. Der Donghua selbst ist mit seinen 13 Episoden deutlich kompakter angelegt und deckt offenbar nur einen Teil des Stoffs ab – eine offizielle zweite Staffel des Donghua konnte ich nicht finden, weder auf Viki noch anderswo. Wer wissen will, wie die komplette Geschichte inklusive der späteren Handlungsbögen ausgeht, findet das offenbar nur in der Realserie.
Ein moderner Anime im bekannten Donghua-Stil – gut gezeichnet, gute Story, waschechter Slow Burner. Genau mein Ding. Der einzige Wermutstropfen: Am Ende bleibt das Gefühl, dass das noch nicht alles war – die Geschichte wirkt eher angeschnitten als abgeschlossen, was angesichts der viel längeren Realserie zum gleichen Stoff auch Sinn ergibt. Dafür gibts von mir 9 von 10 Punkten – für alles davor hätte es locker mehr gegeben.
Silvio 30.08.2026, 10.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Manchmal braucht ein BL kein Café, keine Schuluniform und kein "wird er, wird er nicht" – manchmal reicht eine Straße voller Wut und zwei Zwillinge, die die eigene Identität tauschen. Genau das liefert Not Me, und obwohl der Titel inzwischen ein paar Jahre auf dem Buckel hat, wirkt er erstaunlich frisch.
Not Me
Thailand / 2021–2022
14 Episoden
Genre: Action / Thriller / Mystery / Romance / BL
Streaming: GMMTV YouTube-Kanal (kostenlos mit Untertiteln)
Black und White sind Zwillinge mit einer besonders starken Verbindung – bis die Trennung der Eltern die Familie auseinanderreißt und White mit seinem Vater ins Ausland geht. Fünfzehn Jahre später kehrt er zurück nach Thailand, und ausgerechnet in diesem Moment wird sein Bruder Black brutal zusammengeschlagen und liegt im Koma. White schlüpft in Blacks Rolle, um herauszufinden, was passiert ist – und landet mitten in einer Gang, in politischen Machtspielen und in einer Beziehung, die er so nie geplant hatte.
Gun trägt die Serie fast im Alleingang, weil er Black und White nicht einfach nur "spielt", sondern spürbar unterscheidet – kalt und distanziert der eine, warm und tastend der andere. Daneben sorgt Off als Sean für die emotionale Reibung, die die Beziehung zwischen den beiden trägt. Die Nebenstränge um Yok und Dan (First und Fluke) sowie Gram und Eugene geben der Serie zusätzliche Tiefe und zeigen, dass hier nicht nur ein Paar im Fokus steht.
Was Not Me von der BL-Masse abhebt: Es geht hier nicht in erster Linie um süße Romantik, sondern um Machtmissbrauch, soziale Ungleichheit, politische Unruhen und die Frage, wie weit man für Gerechtigkeit gehen darf. Das ist deutlich düsterer, roher und actionlastiger inszeniert, als man es aus dem Genre gewohnt ist – kaum Slapstick, dafür viel Straße, Wut und echte Konsequenzen. Kamera und Musik tragen diese Atmosphäre spürbar mit.
Für mich war das mal ein richtig anderes BL – politischer, actionreicher, mit einer Besetzung, die von vorne bis hinten stimmt. Dass die Serie schon eine Weile auf dem Buckel hat, merkt man ihr kaum an, sie funktioniert auch heute noch wie ein modernes BL. Trotzdem war nicht alles perfekt: An einigen Stellen wurde es mir dann doch zu klischeehaft, gerade wenn die Story die einfacheren Genre-Pfade genommen hat, statt konsequent bei ihrem eigenen, härteren Ton zu bleiben. Unterm Strich bleibt trotzdem eine 9,5 von 10 Punkten – so nah dran an der perfekten Serie, wie es nur wenige BLs schaffen.
Silvio 30.08.2026, 10.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Manchmal braucht es keine riesige Weltrettung, keine Superkräfte und keine epischen Schlachten. Manchmal reicht ein Hinterhof, eine Zigarette und zwei Menschen, die eigentlich nicht zusammenpassen. „Smoking Behind the Supermarket with You" ist genau das – und trotzdem einer der charmantesten Anime, die ich seit Langem gesehen habe.
Smoking Behind the Supermarket with You (Mini-Episoden)
Japan / 2026 12 Mini-Episoden / ca. 10–14 Minuten je Folge
Genre: Slice-of-Life / Romance / Comedy
Streaming: Crunchyroll
Zur Story
Sasaki ist 45, überarbeitet und in einer grauen Routine gefangen. Der einzige Lichtblick seines Tages: das Lächeln von Yamada, der freundlichen Kassiererin im Supermarkt um die Ecke. Als er sie eines Abends verpasst, entdeckt er hinter dem Gebäude eine inoffizielle Raucherecke – und begegnet Tayama, einer 24-Jährigen mit Lederjacke und Piercings, die ihn einfach so dazu einlädt, sich zu ihr zu setzen. Was sich aus diesen stillen Abendmomenten entwickelt, erzählt der Anime mit viel Feingefühl. Rauchen als verbindendes Element – das klingt zunächst nach einem Gimmick, entpuppt sich aber als echte Stärke der Serie. Wer glaubt, das reicht nicht für zwölf Episoden, wird angenehm überrascht.
Charaktere & Chemie
Sasaki ist ein Kerl, dem man sofort abnimmt, dass er nie auf die Idee käme, mit jemandem wie Yamada oder Tayama auch nur einen romantischen Gedanken zu verschwenden. Viel zu anständig, viel zu sehr in seiner eigenen Welt. Er macht keine großen Gesten, sagt keine cleveren Dinge – und genau das macht ihn so sympathisch. Man schaut ihm gern zu, wie er langsam aus seiner Schale kommt. Und dann ist da Tayama. 24 Jahre alt, auf den ersten Blick das genaue Gegenteil von ihm. Aber wie sich ihre Sichtweise auf diesen stillen, etwas aus der Zeit gefallenen Mann im Laufe der Serie verändert – das ist das eigentliche Herzstück. Die Chemie zwischen den beiden entsteht nicht durch Drama oder große Wendungen, sondern durch kleine, ehrliche Momente. Einfach nur Zucker, diese beiden. Am Ende wartet übrigens noch ein netter kleiner Plot-Twist – ich sage nur so viel: Sasaki dürfte sich an gewisse Dinge nicht mehr ganz so genau erinnern, wie er es vielleicht sollte.
Ton / Themen / Produktion
Ich bin Nichtraucher – und ich sage das ausdrücklich, weil ich selbst überrascht war, dass mich das Thema null gestört hat. Das liegt daran, dass es hier nie wirklich ums Rauchen geht. Es geht um den Moment danach. Um den Atemzug, den man sich gönnt, wenn sonst niemand schaut. Das ist clever erzählt. Die Animation ist wirklich schön – warm, detailreich, ohne sich aufzudrängen. Genau der richtige Look für eine Geschichte, die von kleinen Momenten lebt. Der Manga von Jinushi läuft übrigens noch, und die Mini-Episoden erzählen einen in sich runden ersten Abschnitt – kein abgeschlossenes Ende, aber genug Entwicklung, um zu befriedigen. Und neugierig genug, um mehr zu wollen.
Persönlicher Eindruck & Bewertung
„Smoking Behind the Supermarket with You" ist ein Anime für Erwachsene – nicht wegen expliziter Inhalte, sondern weil er von erwachsenen Dingen erzählt. Von Routine, von unerwartetem Aufblühen, von zwei Menschen, die auf dem Papier nichts gemeinsam haben und trotzdem genau richtig füreinander zu sein scheinen.
9,5 von 10 Punkten – und der halbe fehlende Punkt? Den schuldet mir Staffel 2.
Silvio 08.08.2026, 10.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Es gibt Anime, bei denen man von der ersten Minute an weiß: Das ist kein Kinderkram. MARRIAGETOXIN ist so einer. Der Titel klingt nach Chaos – und hält, was er verspricht. Aber auf eine Art, die mich komplett überrascht hat.
MARRIAGETOXIN
Japan / 2026
13 Episoden
Genre: Action / Comedy / Romance
Streaming: Crunchyroll
Zur Story
In einer Version von Tokio, in der der Untergrund von mächtigen Assassinen-Clans regiert wird, ist Hikaru Gero alles, was man von einem Erben der berüchtigten Gero-Familie erwartet: kühl, tödlich effizient, ein Experte für Gifte. Das Problem? Seine Familie braucht dringend einen Nachfolger. Und Gero selbst ist in Liebesdingen so hilflos wie ein Neuling im Auftragskiller-Geschäft. Die Lösung: Er engagiert Mei Kinosaki – eine charmante, unwiderstehliche Heiratsswindlerin – um ihm eine Braut zu finden.
Klingt nach einem klassischen Romcom-Setup. Ist es auch. Aber mit einem Twist, den ich hier nicht zu weit ausführen will – außer so viel: Was auf den ersten Blick offensichtlich wirkt, ist es garantiert nicht.
Charaktere & Chemie
Gero selbst ist herrlich widersprüchlich: Als Killer absolut in seinem Element, als Mann mit Gefühlen dagegen eine einzige Baustelle. Und genau das macht ihn so sympathisch. Er bekommt durchaus Chancen – verschiedene Bekanntschaften kreuzen seinen Weg, die ihn mehr als ein wenig aus der Ruhe bringen. Und trotzdem saß ich die ganze Zeit da und dachte: Ja aber warum wird eigentlich aus ihm und Mei nichts?
Diese Spannung, dieses unausgesprochene Knistern zwischen den beiden, zieht sich wie ein roter Faden durch alle 13 Episoden. Man wartet. Man hofft. Man schüttelt den Kopf. Und schaut trotzdem weiter – oder gerade deswegen.
Ton / Themen / Produktion
Zu etwa 70 Prozent ein echter Action-Anime mit richtig gut choreografierten Kämpfen, 20 Prozent romantische Spannung und der Rest? Herrlicher Klamauk, der nie billig wirkt. Studio Bones Film liefert dabei durchweg starke Animation – das sieht man jedem Frame an. Der Humor funktioniert, weil er aus den Charakteren heraus entsteht, nicht weil irgendwer Witze erklärt. Genau das ist der Unterschied zu Anime, die man nach zwei Folgen wieder weglegt.
Der Anime richtet sich klar an ein erwachsenes Publikum. Kein Shonen-Schulhof-Feeling, keine aufgesetzte Niedlichkeit – stattdessen eine Geschichte mit echtem Biss und echten Zwischentönen.
Persönlicher Eindruck & Bewertung
MARRIAGETOXIN hat mich gut unterhalten – und das bei allen 13 Folgen am Stück. Die Mischung aus Action, Humor und dieser unterschwelligen Romanze, die nie ganz da ankommt, wo man sie haben will, ist das eigentliche Geheimrezept. Staffel 2 ist bereits für Januar 2027 bestätigt – und ich bin dabei.
9 von 10 Punkten – und die fehlende Punkt? Geht direkt auf das Konto von Hikaru Gero, der einfach immer noch nicht kapiert hat, was vor seiner Nase steht.
Silvio 08.08.2026, 10.38 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Silvio 01.08.2026, 09.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Silvio 01.08.2026, 09.19 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Silvio 01.08.2026, 09.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Manche Momente verdienen einen besonderen Rahmen. Genau 700 Rezensionen auf diesem Blog – und für diese eine konnte es nur eine Schauspielerin geben: Park Min Young. Sie ist seit Jahren mein absoluter Lieblingsstar im K-Drama-Universum, und mit Sirens Kiss beweist sie einmal mehr, warum das so ist.
Sirens Kiss
Südkorea / 2026 / 12 Episoden / Romance / Thriller / Mystery / tvN
Streaming: Amazon Prime Video
Park Min Young als Han Seol Ah
Wi Ha-joon als Cha U Seok
Kim Jung-hyun
Han Joon Woo
Gong Sung Ha
Zur Story
Han Seol Ah ist die Chefauktionatorin bei Royal Auction, Koreas renommiertestem Kunstauktionshaus. Sie ist makellos, glamourös, unnahbar – und birgt ein dunkles Geheimnis: Jeder Mann, der je in sie verliebt war, ist gestorben. Cha U Seok, ein analytisch brillanter Versicherungsbetrugsermittler, stößt bei einer Fallrecherche auf eine Reihe rätselhafter Todesfälle, die alle mit ein und derselben Frau in Verbindung stehen. Was als nüchterne Beweisaufnahme beginnt, wird zur gefährlichsten Ermittlung seines Lebens.
Das Drama basiert auf einer japanischen Vorlage aus dem Jahr 1999 (Koori no Sekai von Hisashi Nozawa) – und das koreanische Remake trägt die Handschrift des modernen K-Thrillers in seiner besten Form.
Charaktere & Chemie
Park Min Young spielt Han Seol Ah als Frau mit mehreren Schichten: außen Eleganz und Kontrolle, innen ein Rätsel, das man dringend lösen möchte – aber vielleicht besser nicht sollte. PMY bringt eine Mischung aus Faszination und eiskalter Präsenz auf den Bildschirm, die man so von ihr nicht alle Tage sieht. Wi Ha-joon hält als Ermittler dagegen: rational, fokussiert – und doch zunehmend in den Sog dieser Frau gezogen. Die Chemie zwischen den beiden funktioniert genau deshalb so stark, weil sie auf diesem Widerspruch zwischen Verstand und Gefühl aufgebaut ist.
Ton / Themen / Produktion
Sirens Kiss ist kein gemütliches Wochenend-Drama. Es ist spannungsgeladen, elegant und hat einen düsteren Unterton, der konsequent durchgehalten wird. tvN liefert wie gewohnt hochwertige Produktion, Regisseur Kim Cheol-kyu inszeniert mit sicherem Gespür für Atmosphäre. Die Bildsprache, die langsam aufbauende Bedrohlichkeit, die Art wie jede Szene mit Han Seol Ah einen leichten Hauch Gefahr mitbringt – alles greift ineinander. Thematisch dreht sich das Drama um Macht, Faszination und die Frage: Wie weit lässt man sich von jemandem ziehen, den man eigentlich fürchten sollte?
Persönlicher Eindruck & Bewertung
Ich habe 699 Rezensionen auf diesem Blog geschrieben – und für die 700. musste es einfach sie sein. Park Min Young in Höchstform: mysteriös, wunderschön, und mehr als nur ein bisschen gefährlich. Sirens Kiss ist von der ersten Minute an spannend, PMY trägt das gesamte Drama mit einer Präsenz, die schlicht atemberaubend ist. Ein würdiger Meilenstein – und eine weitere glatte 10 von 10 Punkten, die ich je vergeben habe, fühlt sich genau richtig an.
Einziger Wermutstropfen: Die Serie läuft international auf Amazon Prime Video – und das ist, bei allem Respekt, nicht dasselbe wie Netflix. Mit dem richtigen Algorithmus, ein bisschen Netflix-Marketing und einer Push-Benachrichtigung an 300 Millionen Haushalte wäre Sirens Kiss ein weltweiter Hit geworden. Das Potenzial hätte es absolut gehabt. Aber wenigstens wissen wir Fans, was wir da bekommen haben.
10 von 10 Punkten.
Silvio 19.07.2026, 10.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wer bei mir regelmäßig mitliest, weiß: Ich hab mir bereits alle drei Staffeln des Anime The Founder of Diabolism gegeben – und war durchaus angetan davon, auch wenn mir die vielen Rückblicke und die sich ähnelnden Gesichter manchmal zu schaffen gemacht haben. Die Realverfilmung stand schon länger auf dem Radar, und jetzt hat unsere montägliche BL-Watchparty den letzten Anstoß gegeben. Wobei ich dabei gleich festhalten muss – Danmei ist für mich kein BL. Es ist Bromance. Intensive, emotionale, manchmal überwältigende Bromance – aber kein BL. Das möchte ich vorneweg klargestellt haben.
The Untamed
China / 2019
50 Episoden / Xianxia, Historisches Fantasy, Bromance / Dramedy
Streaming: Viki
Cast
Xiao Zhan als Wei Wuxian
Wang Yibo als Lan Wangji
Wang Zhuocheng als Jiang Cheng
Xuan Lu als Jiang Yanli
Zhu Zanjin als Jin Guangyao
Liu Haikuan als Lan Xichen
Zur Story
Wei Wuxian, einst ein hochbegabter Kultivierer und Teil des angesehenen Jiang-Clans, kehrt nach sechzehn Jahren wieder in die Welt der Lebenden zurück – in einem fremden Körper, ohne Erinnerungen, aber mit einem Ruf, der ihn weit vorauseilt. Zusammen mit dem stoischen Lan Wangji beginnt er, alte Geheimnisse aufzudecken, die tiefer reichen als irgendjemand ahnte.
Klingt erstmal überschaubar – aber dann macht die Serie das Verrückteste, was ich in dieser Form bisher gesehen habe: Nach wenigen Episoden Gegenwart beginnt ein Rückblick. Ein Rückblick, der dreißig Episoden lang ist. Dreißig. Das ist kein Scherz. Das ist mehr als die halbe Serie. Ich saß da und dachte ernsthaft: Wann kommen wir wieder in der Gegenwart an?
Charaktere & Chemie
Die zwei Hauptdarsteller tragen die Serie. Xiao Zhan spielt Wei Wuxian mit einer Leichtigkeit und Energie, die ansteckend ist – charmant, übermütig, aber mit dieser unterschwelligen Schwere dahinter. Wang Yibo als Lan Wangji ist das komplette Gegenteil: kalt, wortkarg, undurchdringlich – und trotzdem (oder gerade deshalb) unglaublich präsent. Die Chemie zwischen den beiden ist real und funktioniert – auch wenn es eben bei Bromance bleibt. Wer echte romantische Handlung erwartet, schaut sich die falsche Serie an.
Das Ensemble drumherum ist groß – manchmal vielleicht zu groß. Wer den Anime nicht kennt, kann anfangs Mühe haben, alle Clans und Charaktere auseinanderzuhalten. Ich kannte die Story schon, und selbst mir musste ich manchmal kurz überlegen, wer gerade wessen Feind ist.
Ton / Themen / Produktion
Optisch ist die Serie ein Fest. Die Kostüme, die Sets, der Gesamtlook – das sieht alles wirklich hochwertig aus. Das historische Xianxia-Setting wird liebevoll umgesetzt, mit viel Liebe zum Detail in Ausstattung und Choreografie der Kampfszenen. Die Musik trägt die Stimmung gut.
Thematisch geht es um Verrat, Loyalität, Gerechtigkeit und die Frage, ob ein Mensch wirklich so böse ist, wie die Welt ihn gemacht hat. Das sind keine leichten Themen – und die Serie nimmt sie ernst, ohne zu predigen.
Das Ende überrascht – im positiven Sinne. Es ist nicht das Ende, das ich erwartet hätte, und es lässt einen mit dem befriedigenden Gefühl zurück, dass die Geschichte ihren Abschluss gefunden hat. Wer allerdings noch tiefer verstehen möchte, was am Ende eigentlich passiert ist und was bestimmte Zusammenhänge bedeuten: Der Film The Untamed: Fatal Journey ist quasi Pflicht danach. Er beleuchtet Hintergründe, die in der Serie nur angedeutet werden, und klärt einiges auf, was sonst offen bleibt.
Persönlicher Eindruck & Bewertung
Es ist eine eigenwillige Serie. Diese Entscheidung, so einen massiven Rückblick in den Mittelpunkt zu stellen, ist mutig – und nicht immer einfach zu konsumieren. Wer erwartet, dass die Geschichte linear von A nach B erzählt wird, ist hier falsch. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem sehr dichten, vielschichtigen Epos belohnt.
Ich hatte den Vorteil, den Anime bereits zu kennen, und das hat geholfen. Ob ich ohne dieses Vorwissen genauso drin geblieben wäre, bezweifle ich ehrlich gesagt ein bisschen. Aber mit dem Hintergrundwissen macht die Realverfilmung vieles richtig, was der Anime anders gelöst hat – und umgekehrt. Beide Versionen haben ihre Berechtigung, und ich bin froh, beide gesehen zu haben.
8 von 10 Punkten – für eine Serie, die ihre eigene Dramaturgie konsequent durchzieht und am Ende beweist, dass der lange Weg sich gelohnt hat.
Silvio 11.07.2026, 09.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL