I'm in Love with the Villainess ist ein queerer Isekai-Yuri, der Otome-Game-Klischees liebevoll auseinandernimmt und daraus eine laute, freche, aber überraschend emotionale Liebesgeschichte zwischen einer hoffnungslos verknallten Protagonistin und ihrer angeblich „bösen“ Rivalin baut. Wer Lust auf Meta-Humor, viel Queerness und eine Heldin hat, die absolut gar keine Chill hat, wenn es um ihren Crush geht, wird hier gut bedient.
Was diesen Anime für queere Zuschauer spannend macht, ist weniger das Villainess-Label, sondern wie offensiv Rae ihre Liebe zu Claire lebt – ohne Umwege über „eigentlich müsste ich mich doch für die Prinzen interessieren“. Die Serie macht daraus eine Mischung aus Slapstick, Cringe und echter Verletzlichkeit, weil Rae zwar dauernd Witze macht, aber emotional viel mehr auf dem Spiel steht, als sie zugeben will.
Claire als angebliche „Schurkin“ ist in der Anime-Version eher eine stolze, verwöhnte Adelige mit großem Ego als eine echte Antagonistin – was erklärt, warum sich das Böse-Image für dich nie so richtig „verdient“ angefühlt hat. Der Reiz liegt genau darin, dass Rae hinter der Fassade das verletzliche, einsame Mädchen sieht, das sich hinter Status und Arroganz versteckt.
Von mir gibt es eine queer-bunte 8,5 von 10 Punkten – nicht perfekt im Pacing und manchmal sehr drüber im Humor, aber als Yuri mit Isekai- und Game-Twist macht die Serie einfach Spaß.
Japan, TV-Anime 2023
Episoden: 12 Episoden
Genre: Comedy, Romanze, Yuri / GL, Isekai, Otome-Game-Parodie
Spoilerfreie StoryDie Angestellte Oohashi Rei stirbt nicht etwa dramatisch, sondern wacht einfach eines Tages im Körper der Protagonistin ihres Lieblings-Dating-Games „Revolution“ wieder auf. Für sie ist das kein Schock, sondern ein Jackpot: Sie kennt die Routen, die Events, die Gefahren – und vor allem kennt sie ihre absolute Lieblingsfigur, Claire, die im Spiel als Antagonistin angelegt ist.
Statt wie vorgesehen einem der Prinzen nachzujagen, ignoriert Rae konsequent alle „offiziellen“ Love Interests und nutzt jedes Story-Event, um Claire anzubaggern, ihr zu helfen oder sich vor sie zu werfen. Das sorgt für einen dauernden Clash zwischen Game-Script und Raes eigenen Entscheidungen – und stellt Claire vor die irritierende Frage, warum ausgerechnet dieses freche Mädchen sie so hartnäckig anhimmelt.
Figuren und DynamikRae ist eine walking Katastrophe aus Fan-Girl, Troll und Romantikerin: Sie kennt das Spiel in- und auswendig, kommentiert innerlich jeden Trigger für Event-Flags und sabotiert bewusst Szenen, in denen die Prinzen glänzen sollen. Ihr Humor und ihre Übergriffigkeit sind nicht immer subtil, aber die Serie zeigt deutlich, dass hinter all den Sprüchen echte Zuneigung und der Wunsch stehen, dass Claire glücklich wird – notfalls auch ohne sie.
Claire ist die klassische Otome-Rivalin: reich, verwöhnt, stolz und am Anfang klar in der Rolle der Zicke, die die Protagonistin mobbt und sich für etwas Besseres hält. Im Verlauf zeigt der Anime aber, dass sie keineswegs „böse“ ist, sondern unter gesellschaftlichen Erwartungen, Klassendruck und ihrer Rolle als Adelige steht – ihre Arroganz ist Schutzschild und Erziehung, keine angeborene Bosheit.
Die Prinzen Thane, Rod und die übrigen Game-Figuren dienen oft als Spiegel dafür, wie sehr Rae das Script sprengt, indem sie sich weigert, hetero zu spielen. Gleichzeitig zeigt der Anime in späteren Folgen, dass auch Themen wie Standesunterschiede, politische Intrigen und Gewalt eine Rolle spielen – die Comedy wird immer wieder von ernsteren Momenten gebrochen, in denen es um Verantwortung, Schuld und Gerechtigkeit geht.
Themen, Ton und Villainess-TwistDie Serie ist auf den ersten Blick eine quietschige Romcom mit Crossdressing-Café, Magieunterricht und Schul-Events, nutzt diese Hülle aber, um queere Themen erstaunlich direkt anzusprechen. Rae ist nicht „zufällig“ verliebt, sondern offen lesbisch, und der Anime macht keinen Hehl daraus, dass ihre Liebe zu Claire echt, ernst und nicht bloß Gag ist.
Das „Villainess“ im Titel ist dabei mehr Genre-Schablone als echtes moralisches Urteil: In der Logik des Otome-Games ist Claire die Gegenspielerin, weil sie der Heldin und den Prinzen im Weg steht; in der Logik der Serie wird sie zum emotionalen Mittelpunkt und zur Person, deren innere Entwicklung am meisten zählt. Genau diese Umkehrung macht den Reiz aus – der angebliche Endgegner wird zum Love-Interest, und das Game, das eigentlich Hetero-Routen vorsieht, wird von innen heraus queergeschrieben.
Wo du den Anime schauen kannstDie 12-teilige Serie I'm in Love with the Villainess ist mit deutscher Synchro und Untertiteln auf
Crunchyroll verfügbar. Dort findest du mehrere Audiosprachen (u. a. Japanisch, Deutsch, Englisch) und Untertitel in diversen Sprachen, eingestuft als Comedy/Romanze und empfohlen ab 12 Jahren.