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Einträge vom: 03.01.2026

10DANCE

10DANCE ist ein japanischer BL-Tanzfilm, der zwei Profis aus komplett unterschiedlichen Welten auf dem Parkett zusammenstößt und ihre Rivalität Schritt für Schritt in eine ziemlich intensive, körperlich und emotional aufgeladene Liebesgeschichte verwandelt. Der Film fühlt sich an wie „Sports-Rivalität trifft Dirty Dancing“, nur mit zwei Männern, viel Prestige-Druck – und einer Menge knisternder Close-ups in der Tanzhaltung.
10DANCE ist einer dieser Filme, bei denen man nach ein paar Minuten merkt: Hier geht es nicht nur um Schritte, sondern um Macht, Stolz und Verletzlichkeit. Suzuki mit seiner explosiven Latin-Energie und Sugiki mit seiner kühlen Ballroom-Eleganz prallen zunächst eher wie Gegner als wie mögliche Liebhaber aufeinander, und genau diese Spannung macht den Reiz aus.
Stark sind vor allem die Tanzszenen: Die Choreo ist nicht nur „Dekoration“, sondern erzählt sichtbar, wie sich ihre Beziehung verändert – von stacheliger Konkurrenz über unbewusstes Flirten bis hin zu Momenten, in denen man fast vergisst, dass sie eigentlich trainieren. Das Drama zwischendurch (Verletzungen, Karriereängste, Ego-Crashes) ist manchmal ein bisschen melodramatisch, passt aber zum hohen Einsatz, den beide in diese eine Chance auf den großen Titel legen.
Unterm Strich ein sehr stylischer, emotional auf den Punkt inszenierter BL-Film – für Tanz- und Rival-to-Lovers-Fans eine klare 9 von 10 Punkten.

10DANCE
Japan, 2025
Format: Spielfilm (Netflix Original)
Genre: Romance, Drama, BL, Sport / Tanz
Vorlage: BL-Manga „10 DANCE“ von Inouesatoh
Hauptdarsteller: Ryoma Takeuchi als Shinya Suzuki, Keita Machida als Shinya Sugiki

Spoilerfreie Story
Shinya Suzuki ist Japans Latin-Dance-Champion, charismatisch, temperamentvoll, aber komfortabel in seiner nationalen Blase – internationale Wettbewerbe interessieren ihn eigentlich nicht. Shinya Sugiki, „Emperor“ des Standardtanzes und mehrfacher Vizeweltmeister im Ballroom, hat dagegen nur ein Ziel: endlich den ganz großen Titel holen.
Sugiki schlägt Suzuki vor, gemeinsam für den „10 Dance“ zu trainieren, einen gnadenlosen Wettbewerb, bei dem Paare an einem Tag zehn Tänze (fünf Latein, fünf Standard) tanzen müssen. Beide sollen sich gegenseitig ihre Disziplin beibringen – Suzuki lernt Ballroom, Sugiki Latin –, was zu intensiven, körpernahen Trainingssessions führt, in denen aus technischer Kritik langsam Faszination und schließlich ein gefährliches Maß an emotionaler Nähe entsteht.

Figuren und Dynamik
Shinya Suzuki  
Suzuki ist der emotional offenere der beiden: impulsiv, stolz und zunächst überzeugt, dass sein Weg völlig ausreicht. Seine Reise besteht darin, sich einzugestehen, dass er sich klein gehalten hat – sowohl beruflich als auch in Bezug auf seine Gefühle für Sugiki, die er lange nicht benennen will.

Shinya Sugiki  
Sugiki ist kontrolliert, perfektionistisch und wirkt nach außen fast arrogant, wird aber von dem nagenden Bewusstsein getrieben, immer nur Zweiter zu sein. In der Partnerschaft mit Suzuki prallen seine Disziplin und Suzukis Leidenschaft aufeinander, bis klar wird, dass er nicht nur dessen Talent, sondern auch seine Nähe braucht – auf dem Parkett und darüber hinaus.

Tanzpartnerinnen & Umfeld  
Aki (Suzukis Partnerin) und Fusako (Sugikis Partnerin) sind nicht bloß Beiwerk, sondern emotionale Anker, die mal fördern, mal konfrontieren, wenn die Männer zwischen Ehrgeiz, Rivalität und Anziehung feststecken. Trainer, Jurys und internationale Konkurrenz verstärken zusätzlich den Druck, was die privaten Konflikte automatisch auf die Tanzfläche zieht.

Themen, Ton und Inszenierung
10DANCE verbindet auf sehr elegante Weise klassischen Sport-/Wettbewerbsplot mit einer klar queeren Love-Story, ohne das eine als „Subtext“ hinter dem anderen zu verstecken. Die Frage, ob die beiden als Team funktionieren können, ist immer auch die Frage, ob sie sich ihren Gefühlen stellen – oder ob Stolz und Angst vor dem Karriereknick stärker sind.
Visuell setzt der Film auf viel Close-up-Kamera, Spiegel, Schweiß und kontrollierte Körper – die Choreografie ist sinnlich, ohne jemals billig zu wirken. Musikalisch und vom Schnitt her wird jede Performance zu einem emotionalen Höhepunkt, sodass selbst Leute, die mit Turniertanz normalerweise nichts anfangen können, mitfiebern.

Wo du den Film schauen kannst
10DANCE ist weltweit exklusiv auf Netflix verfügbar. Dort wird der Film als romantisches Tanzdrama mit BL-Schwerpunkt angeboten, mit mehreren Sprach- und Untertiteloptionen, darunter auch eine deutsche Fassung je nach Region.

Silvio 03.01.2026, 11.18| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: TV | Tags: TV, Film, Japan, Netflix,

Monster Next Door

Monster Next Door ist ein ruhiger, sehr gefühlvoll erzählter Thai-BL über einen schwer introvertierten Studenten, dessen kleine, sichere Welt von einem lauten, sonnigen Nachbarn gestürmt wird – und darüber, wie aus dieser „Invasion“ langsam eine sehr zärtliche Liebesgeschichte wird. Wer auf langsame Annäherung, Balkon-Gespräche und nachvollziehbare Traumata statt Dauer-Kitsch steht, bekommt hier ein kleines Wohlfühl-Drama mit überraschend viel Tiefgang.
Monster Next Door fühlt sich an wie eine BL-Version von „Introvert meets golden retriever boy“: Diew mit seiner Schildkröte Khun Shy als einziger Konstante, God als lauter, herzlicher Wirbelwind nebenan – der Kontrast funktioniert von der ersten Szene an. Besonders schön ist, wie konsequent die Serie Diews Grenzen ernst nimmt: Die Beziehung wächst über Stimmen durch die Wand, Balkon-Gespräche und langsame Annäherung, statt ihn einfach „gesund zu lieben“, bis das Trauma weg ist.
Was heraussticht, ist der sensible Umgang mit Themen wie Angststörungen, emotionalem Missbrauch und toxischen Ex-Beziehungen, ohne je ganz in schwere Depression abzurutschen. Dazu kommen Nebenfiguren, die nicht nur Comic Relief sind, sondern echte Unterstützung bieten – inklusive einer Mutter und einem Großvater, die ihre queeren Kids nicht zum Problem machen, sondern Teil der Lösung sind.
Für einen BL, der Romantik, Trauma-Healing und Humor so gut ausbalanciert, gibt es von mir eine leise, aber sehr überzeugte 9 von 10 Punkten.

Monster Next Door
Thailand, 2024
Episoden: 12 Episoden a ca. 50 Minuten
Genre: BL, Romance, Slice of Life, Drama
Original-Network / Plattformen: WeTV, zusätzlich u. a. auf GagaOOLala verfügbar

Spoilerfreie Story
Diew ist hochgradig introvertiert, lebt am liebsten allein in seinem Apartment und spricht eher mit seiner Schildkröte Khun Shy als mit Menschen. Sein Rückzugsort wird erschüttert, als God, ein extrovertierter, beliebter Senior mit einem sehr aktiven Sozialleben, in die Nachbarwohnung einzieht – inklusive lauter Partys, Freunde-Besuch und Lärm bis spät in die Nacht.
Aus dem genervten „Monster“ nebenan wird über Balkonansprachen, Gespräche durch die Wand und kleine Alltagsgesten nach und nach ein Freund, mit dem Diew sich zum ersten Mal seit Langem wirklich gesehen fühlt. Die Bedingung: Sie treffen sich zunächst nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern bauen Vertrauen und Nähe auf Distanz auf, bis beide bereit sind, ihre Komfortzonen zu verlassen.

Figuren und Dynamik
Diew ist der „Tortoise Prince“ dieser Geschichte: schüchtern, traumatisiert und so sehr an seine Routine gewöhnt, dass jede Störung bedrohlich wirkt. Die Serie zeigt sehr greifbar, wie er gelernt hat, sich klein zu machen, nicht aufzufallen und seine Bedürfnisse zu unterdrücken – und wie schwer es ihm fällt, zu glauben, dass jemand wie God ihn wirklich mögen könnte.

God ist der sprichwörtliche „golden retriever“: laut, gesellig, sportlich, beliebt, aber gleichzeitig erstaunlich aufmerksam, wenn es um Diews Grenzen geht. Er macht Fehler, drängt manchmal unbewusst zu viel, lernt aber sichtbar dazu und wächst in die Rolle eines Partners, der zuhört, schützt und gleichzeitig Diews Eigenständigkeit respektiert.

Side Couple & Umfeld
Das Nebenpaar Beer und Wan bringt eine zweite, emotional komplexe BL-Story mit, bei der es um verdrängte Gefühle, alte Wunden und das Thema „Closure“ geht. Dazu kommen eine sehr supportive Mutter und ein liebevoll gezeichneter Großvater auf Diews Seite sowie Freundeskreis und Gegenspieler (inklusive eines moralisch grauen Ex), die mehr sind als bloß plumpe Plotgeräte.

Themen, Ton und Emotion
Monster Next Door ist ein Slow-Burn, der bewusst auf Schock-Drama verzichtet und die Beziehung Schritt für Schritt wachsen lässt – mit viel Alltagsintimität, physischer Zärtlichkeit und immer wieder klar kommunizierter Zustimmung. Die Serie spricht mentale Gesundheit, Missbrauchserfahrungen und Selbstwert so offen an, dass man sich an manchen Stellen fast unangenehm ertappt fühlt, gleichzeitig aber sehr gesehen.
Statt den introvertierten Charakter „wegzutherapieren“, zeigt die Geschichte, wie Liebe, Freundschaft und familiärer Rückhalt helfen können, mit der eigenen Andersartigkeit zu leben, ohne sie zu verleugnen. Damit ist Monster Next Door ein BL, der sich eher wie eine sanfte, queere Healing-Romanze anfühlt als wie das nächste laute K-Drama-Melodrama.

Wo du die Serie schauen kannst
Monster Next Door lief ursprünglich auf WeTV und ist dort in der Regel komplett mit englischen Untertiteln verfügbar. 

Silvio 03.01.2026, 11.07| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: TV | Tags: TV, Serien, Thailand, WeTV,

I'm in Love with the Villainess

I'm in Love with the Villainess ist ein queerer Isekai-Yuri, der Otome-Game-Klischees liebevoll auseinandernimmt und daraus eine laute, freche, aber überraschend emotionale Liebesgeschichte zwischen einer hoffnungslos verknallten Protagonistin und ihrer angeblich „bösen“ Rivalin baut. Wer Lust auf Meta-Humor, viel Queerness und eine Heldin hat, die absolut gar keine Chill hat, wenn es um ihren Crush geht, wird hier gut bedient.
Was diesen Anime für queere Zuschauer spannend macht, ist weniger das Villainess-Label, sondern wie offensiv Rae ihre Liebe zu Claire lebt – ohne Umwege über „eigentlich müsste ich mich doch für die Prinzen interessieren“. Die Serie macht daraus eine Mischung aus Slapstick, Cringe und echter Verletzlichkeit, weil Rae zwar dauernd Witze macht, aber emotional viel mehr auf dem Spiel steht, als sie zugeben will.
Claire als angebliche „Schurkin“ ist in der Anime-Version eher eine stolze, verwöhnte Adelige mit großem Ego als eine echte Antagonistin – was erklärt, warum sich das Böse-Image für dich nie so richtig „verdient“ angefühlt hat. Der Reiz liegt genau darin, dass Rae hinter der Fassade das verletzliche, einsame Mädchen sieht, das sich hinter Status und Arroganz versteckt.
Von mir gibt es eine queer-bunte 8,5 von 10 Punkten  – nicht perfekt im Pacing und manchmal sehr drüber im Humor, aber als Yuri mit Isekai- und Game-Twist macht die Serie einfach Spaß.

I'm in Love with the Villainess
Japan, TV-Anime 2023
Episoden: 12 Episoden
Genre: Comedy, Romanze, Yuri / GL, Isekai, Otome-Game-Parodie

Spoilerfreie Story
Die Angestellte Oohashi Rei stirbt nicht etwa dramatisch, sondern wacht einfach eines Tages im Körper der Protagonistin ihres Lieblings-Dating-Games „Revolution“ wieder auf. Für sie ist das kein Schock, sondern ein Jackpot: Sie kennt die Routen, die Events, die Gefahren – und vor allem kennt sie ihre absolute Lieblingsfigur, Claire, die im Spiel als Antagonistin angelegt ist.
Statt wie vorgesehen einem der Prinzen nachzujagen, ignoriert Rae konsequent alle „offiziellen“ Love Interests und nutzt jedes Story-Event, um Claire anzubaggern, ihr zu helfen oder sich vor sie zu werfen. Das sorgt für einen dauernden Clash zwischen Game-Script und Raes eigenen Entscheidungen – und stellt Claire vor die irritierende Frage, warum ausgerechnet dieses freche Mädchen sie so hartnäckig anhimmelt.

Figuren und Dynamik
Rae ist eine walking Katastrophe aus Fan-Girl, Troll und Romantikerin: Sie kennt das Spiel in- und auswendig, kommentiert innerlich jeden Trigger für Event-Flags und sabotiert bewusst Szenen, in denen die Prinzen glänzen sollen. Ihr Humor und ihre Übergriffigkeit sind nicht immer subtil, aber die Serie zeigt deutlich, dass hinter all den Sprüchen echte Zuneigung und der Wunsch stehen, dass Claire glücklich wird – notfalls auch ohne sie.

Claire ist die klassische Otome-Rivalin: reich, verwöhnt, stolz und am Anfang klar in der Rolle der Zicke, die die Protagonistin mobbt und sich für etwas Besseres hält. Im Verlauf zeigt der Anime aber, dass sie keineswegs „böse“ ist, sondern unter gesellschaftlichen Erwartungen, Klassendruck und ihrer Rolle als Adelige steht – ihre Arroganz ist Schutzschild und Erziehung, keine angeborene Bosheit.

Die Prinzen Thane, Rod und die übrigen Game-Figuren dienen oft als Spiegel dafür, wie sehr Rae das Script sprengt, indem sie sich weigert, hetero zu spielen. Gleichzeitig zeigt der Anime in späteren Folgen, dass auch Themen wie Standesunterschiede, politische Intrigen und Gewalt eine Rolle spielen – die Comedy wird immer wieder von ernsteren Momenten gebrochen, in denen es um Verantwortung, Schuld und Gerechtigkeit geht.

Themen, Ton und Villainess-Twist
Die Serie ist auf den ersten Blick eine quietschige Romcom mit Crossdressing-Café, Magieunterricht und Schul-Events, nutzt diese Hülle aber, um queere Themen erstaunlich direkt anzusprechen. Rae ist nicht „zufällig“ verliebt, sondern offen lesbisch, und der Anime macht keinen Hehl daraus, dass ihre Liebe zu Claire echt, ernst und nicht bloß Gag ist.
Das „Villainess“ im Titel ist dabei mehr Genre-Schablone als echtes moralisches Urteil: In der Logik des Otome-Games ist Claire die Gegenspielerin, weil sie der Heldin und den Prinzen im Weg steht; in der Logik der Serie wird sie zum emotionalen Mittelpunkt und zur Person, deren innere Entwicklung am meisten zählt. Genau diese Umkehrung macht den Reiz aus – der angebliche Endgegner wird zum Love-Interest, und das Game, das eigentlich Hetero-Routen vorsieht, wird von innen heraus queergeschrieben.

Wo du den Anime schauen kannst
Die 12-teilige Serie I'm in Love with the Villainess ist mit deutscher Synchro und Untertiteln auf Crunchyroll verfügbar. Dort findest du mehrere Audiosprachen (u. a. Japanisch, Deutsch, Englisch) und Untertitel in diversen Sprachen, eingestuft als Comedy/Romanze und empfohlen ab 12 Jahren.

Silvio 03.01.2026, 10.55| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: TV | Tags: TV, Serien, Japan, Anime, crunchyroll,

Adachi and Shimamura

Adachi and Shimamura ist ein leiser, emotionaler Yuri-Anime über zwei Mädchen, die vom gemeinsamen Schulschwänzen in der Turnhalle zu einer vorsichtigen, manchmal schmerzhaft ehrlichen ersten Liebe finden. Er erzählt mehr von inneren Unsicherheiten als von großen Gesten und funktioniert dadurch vor allem als ruhige Coming-of-Age-Romanze mit viel Zwischen-den-Zeilen.
Adachi and Shimamura fühlt sich an wie ein stiller Nachmittag in der Schulturnhalle: wenig Spektakel, dafür viel Blickkontakt, Missverständnisse und unausgesprochene Gefühle. Besonders Adachis zurückhaltende, fast verkrampfte Art, ihre Gefühle zu zeigen, macht die Serie gleichzeitig süß, aber stellenweise auch etwas zäh, wenn man schneller emotionale Klarheit erwartet.
Stärker ist der Anime immer dann, wenn er die kleinen Alltagsmomente zwischen den beiden in den Fokus rückt – Tischtennis, zufällige Begegnungen, kleine Eifersüchteleien –, und weniger, wenn Nebenfiguren und schräge Elemente (inklusive mysteriösem, blauhaarigem Mädchen) die Stimmung unnötig zerfasern.
Von mir gibt es eine angenehm warme 8 von 10 Punkten  – als zarte Yuri-Romanze sehr empfehlenswert, solange man Lust auf langsames Erzähltempo und viel inneres Drama mitbringt.

Adachi and Shimamura
Japan, TV-Anime (Erstausstrahlung 2020, bei Crunchyroll seit 2022 gelistet)
Episoden: 12 Episoden
Genre: Drama, Romanze, Yuri / GL-Anime
Basierend auf: Light-Novel von Hitoma Iruma (KADOKAWA)

Spoilerfreie Story
Adachi und Shimamura lernen sich kennen, weil sie beide lieber in der oberen Etage der Turnhalle herumlungern, Tischtennis spielen und den Unterricht schwänzen, statt brav im Klassenraum zu sitzen. Aus dieser Zweckgemeinschaft entsteht langsam eine Freundschaft, die sich immer mehr nach etwas anfühlt, das über „nur Freunde“ hinausgeht – zumindest für Adachi.
Während Shimamura eher der „normale“ Teenager ist, der mit Freunden, Familie und Alltag jongliert, kreisen Adachis Gedanken zunehmend nur um Shimamura: Wie wichtig bin ich ihr? Sind wir einfach nur Freundinnen oder vielleicht doch etwas mehr? Diese Ungewissheit zieht sich durch die ganze Staffel und sorgt für viel leises Herzklopfen, aber auch für Frust, weil beide lange brauchen, um ehrlich zu sich selbst zu sein.

Figuren und Dynamik
Adachi
Adachi ist der Inbegriff der unsicheren Teenager-Crush-Hölle: sozial unbeholfen, schnell überfordert und völlig fixiert auf Shimamura. Ihre Reise ist weniger ein „Coming-Out“ im großen Stil, sondern der mühsame Weg, die eigenen Gefühle überhaupt zu benennen und zu akzeptieren.

Shimamura
Shimamura wirkt nach außen gelassener und angepasster, ist innerlich aber genauso orientierungslos: Was will sie von Adachi, was von ihrem Leben, und wie viel Nähe ist ihr eigentlich recht? Sie schwankt zwischen echter Zuneigung und dem Reflex, lieber Abstand zu halten, wenn es zu intensiv wird – was Adachi natürlich den Boden unter den Füßen wegzieht.

Nebenfiguren
Freundinnen wie Hino und Nagafuji liefern Schulalltag, Humor und eine eigene, leicht queer lesbare Dynamik, ohne die Hauptbeziehung zu überlagern. Das blauhaarige, sehr exzentrische Mädchen Yashiro sorgt für einen fast surrealen Touch, der nicht jeder Stimmungsschwankung der Serie guttut, aber für einen gewissen Eigencharakter sorgt.

Stimmung, Themen und Inszenierung
Adachi and Shimamura ist ein Anime der Zwischentöne: viele inneren Monologe, langsame Kamerafahrten, Details wie Hände, Blicke, kleine Berührungen. Das Tempo ist entsprechend gemächlich – wer auf schnelle Geständnisse und große dramatische Wendungen hofft, muss sich hier mit subtilen Fortschritten zufriedengeben.
Optisch setzt die Serie auf weiche Farben, ruhige Schul- und Alltagskulissen und gelegentlich sehr hübsche, beinahe verträumte Bildkompositionen, die das Gefühl einer flüchtigen, zerbrechlichen ersten Liebe unterstreichen. Thematisch geht es stark um Einsamkeit, das Gefühl, „nicht dazuzugehören“, und die Frage, ob man es wagt, eine wichtige Freundschaft zu riskieren, indem man sie in Liebe verwandelt.

Wo du den Anime schauen kannst
Die 12-teilige Serie Adachi and Shimamura ist mit deutschen Untertiteln auf Crunchyroll verfügbar. Auf der deutschen Crunchyroll-Seite ist sie als Drama- und Romance-Serie gelistet und kann mit verschiedenen Audiospuren (u. a. Japanisch, Englisch) und mehreren Untertitelsprachen gestreamt werden.

Silvio 03.01.2026, 10.43| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: TV | Tags: TV, Serien, Japan, Anime, crunchyroll,